Von polnischen Zlotys und ukrainischen Tastaturlayouts

Seit langem schreibe ich mal wieder etwas in meinen Blog. Es war lange Zeit so still, weil ich zum einen irgendwie nicht die Zeit und Ruhe gefunden habe, etwas zu schreiben, zum anderen aber auch einfach die Kreativität irgendwie gefehlt hat. Das Leben „ging zo zijn gangetje“ wie man auf Niederländisch sagen würde: Das Leben ging halt seinen Gang. Im Niederländischen ist bei „der Gang“ die Verkleinerungsform „-je“ angehängt. Bei Niederländern geht das Leben scheinbar also mehr sein Gängchen (also alles viel langsamer), was bei den Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Autobahn durchaus logisch und sprachlich daher absolut nachvollziehbar ist.

Letzte Woche bin ich von einer Studienreise aus Polen zurückgekommen. Besucht haben wir Krakau und Auschwitz. Neben interessanten Zeitzeugen in Auschwitz (ja, ehemalige KZ-Häftlinge sprachen mit uns) konnten wir eine absolut geniale Stadtführung durch die Krakauer Altstadt und das Universitätsviertel erleben. Für die Details verweise ich einfach mal auf die Internetseite, die ein Dozent erstellt hat: http://www.unbequemevergangenheit.tk .

Jedenfalls hat mich die Reise nach Polen ein wenig inspiriert. Die freundlichen Leute, die unaussprechbare Sprache, die fremde Währung. Es war einfach mal ein kompletter Tapetenwechsel, der mir merklich gut tat. Meinem Geldbeutel weniger – aber manchmal bringt die Groszyzählerei ja auch nichts.

Auf dem Rückflug schaute ich mir mal die Flugrouten der Billigairline „Wizz Air“ an und sofort sprang mir eine Route ins Auge: Kattowitz (Krakau) – Kiew – Simferopol (Krim). Die drei Ks quasi. Im Vergleich kann man für relativ wenig Geld relativ viel sehen. „Das mach ich!“, war mein erster Gedanke. Ein Blick auf meinen Kontostand verrät mir, dass ich besser ein „(Das mach ich)….demnächst mal!“ anhängen sollte. Ehrlich gesagt würde ich am liebsten meine frisch gewaschene Wäsche packen, Flüge buchen und losziehen. Das ginge natürlich, würde aber weder meinem Studium, noch meinen Ersparnissen (die jährlich für Studiengebühren draufgehen) groß nutzen. Ich werde also sparen. Doch was macht man mit dieser langen Sparzeit? „Ukraine! Da war doch was….“ – exakt, Henning, da war was. Die haben keine lateinischen Buchstaben. Die haben kyrillische Zeichen.

Und auf einmal ging alles recht schnell: ein paar Minuten googlen, den Drucker anwerfen und eine Tabelle mit den kyrillischen Zeichen (+lateinischen Transkriptionen) sowie dem ukrainischen Tastaturlayout ausdrucken. Schritt eins wäre damit gemacht. Jetzt muss ich nur noch die Zeichen lernen. Danach ein paar sprachliche Basics. Bei gerade einmal sieben Fällen müsste das ja ein Leichtes sein, alles eine Frage der Zeit, haha.

Der Spruch „Alles eine Frage der Zeit“ ließe sich auch ganz gut auf mein Sparvorhaben beziehen. Im Moment umfasst mein erspartes „Ost-Europa-Reisegeld“ exakt 74 Zloty und 64 Groszy. Das entspricht etwa 17,28€ und das entspricht etwa der Hälfte vom Flug von Kattowitz nach Kiew, wenn man von aktuellen Preisen ausgeht:

„Das mach ich!….sehr demnächst mal.“

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Der kleine Unterschied

Ich selbst weiß beinahe nichts über Lehrerausbildungen in Deutschland. Ich höre immer nur Erfahrungen von anderen Lehramtsstudenten und lese gelegentlich in einem Forum für Referendare in Deutschland mit. Obwohl ich so wenig über Lehramtsstudiengänge in Deutschland weiß, taucht aber immer wieder ein Thema auf: Kritik. Entweder Studenten vertragen das Feedback eines Fachleiters nicht oder der Fachleiter denkt, dass er so viel Erfahrung hat, dass er auf Rückmeldungen nicht mehr angewiesen ist.

In den letzten Monaten schrieb ich vor allem über Sachen, die einen in den Niederlanden wirklich nerven können. Siehe Studiengebühren, Strafgebühren, SMART-Beschreibungen. Zeit, um positive Sachen zu nennen.

Kritik konnte ich bisher frei äußern – ohne Benachteiligungen, ohne als Klugscheißer zu gelten. Bedingung war lediglich, dass die Kritik begründet wird.

Der Unterrichtsbesuch von einem Fachleiter oder vom Studienseminar sind in Deutschland unter Referendaren ein Grund, wochenlang nicht zu schlafen.

Das System ist in den Niederlanden anders. Man macht über einen längeren Zeitraum Praktikum an bestimmten Tagen in der Woche. Dies ging bei mir vor drei Wochen los. Jeder Praktikant bekommt einen Lehrer zugewiesen, der für einen in dieser Zeit verantwortlich ist.

Im ersten Gespräch sagte ich versehentlich „du“, entschuldigte mich danach und fragte „äh, oder, Sie?“. Die Antwort war: „Bitte ‚du‘.“.

Diese Woche bekam ich von meinem Begleiter die Frage gestellt, was ich von der Stunde gehalten habe, die er gerade gegeben hat. Ein Lehrer mit jahrelanger Berufserfahrung fragt mich als Grünschnabel nach meiner Meinung. Ich nahm meinen Mut zusammen und antwortete schließlich: „Die Stunde ansich gut. Nur, naja, dadurch, dass du sehr viel Zeit für die Kontrolle der Hausaufgaben aufgewendet hast, kamst du im Stoff nicht wirklich weiter.“. Ich schaute den Lehrer fragend und angespannt an. Schließlich ist er derjenige, der mich in Zukunft bewerten wird, wenn ich Stunden halte.

Er lächelte und sagte: „Siehst du! Im Stoff kam ich nicht weiter. Das will ich nächstes Mal anders machen. Habe ich selbst auch gemerkt!“.

Ich will nicht sagen, dass es solche Lehrer nicht auch in Deutschland gibt. Genauso wenig will ich sagen, dass ich als Student in der Lage bin, den Leuten vom „alten Eisen“ etwas Neues beizubringen.

Eigentlich will ich nur sagen, dass man mich nach meiner Meinung gefragt hat. Und, dass man mir zugehört hat.

Ein Thema, das an deutschen Schulen scheinbar immer noch für Missverständnisse sorgt.

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Sparen auf Niederländisch

Bereits in einem früheren Eintrag berichtete ich über Sparmaßen der niederländischen Regierungen, die die Hochschulen hier betreffen.

Damals ließ ich es offen, ob sich das Volk dagegen wehren wird. Das tut es jetzt, glücklicherweise.

Die Sparmaßnahmen habe ich im ehemaligen Eintrag etwas undeutlich und teilweise auch nicht zutreffend erklärt. Auch sind neue Sparpläne hinzugekommen.

Eine kleine Übersicht:

  • Nur noch für Bachelorstudenten will der niederländische Staat eine Art „Basis-Bafög“ bezahlen, das später nicht zurückbezahlt werden muss. Für Masterstudenten soll es nur noch die Möglichkeiten geben, sich Geld zu leihen.
  • Studenten, die länger als 1 Jahr über der Regelstudienzeit heraus sind, sollen zukünftig ihre An- bzw. Abreise zur Uni selbst zahlen müssen. Bisher gab es hierfür ein gratis Bus- und Zugticket. Ähnliches sei für Masterstudenten geplant, hierzu konnte ich aber keine stichhaltige Quelle finden.
  • Studenten, die länger als 1 Jahr über der Regelstudienzeit heraus sind, müssen 3000 Euro Studiengebühren pro Jahr extra bezahlen.
  • Hochschulen sollen zukünftig eine Buße für jeden Studenten bezahlen, der länger als 1 Jahr über der Regelstudienzeit heraus ist.

Als kleine Richtigstellung zum letzten Eintrag hierzu: Ein Bachelorstudiengang sowie ein Masterstudiengang im Anschluss fallen unter die normalen gesetzlichen Studiengebühren, die im kommenden  Studienjahr rund 1700 Euro betragen werden. Erst für ein Zweitstudium müssen Studenten das „Instellingscollegegeld“ bezahlen, das bei ca. 8000 Euro pro Jahr beginnt.

Heute gab es eine große Demonstration gegen die Sparmaßnahmen in Den Haag, an der rund 15.000 Studenten und 1/3 der Hochschullehrer (ich fand auf die Schnelle keine genauere Zahl) teilnahmen. Ob dies Eindruck beim Kabinett hinterlassen hat, wird sich zeigen.

Die Regierung begründet die Sparmaßnahmen vor allem damit, den Haushalt wieder in Ordnung zu bringen, um ab 2015 mehr Geld in die Hochschulen investieren zu können. Was bis dahin jedoch noch alles passiert oder nicht passiert, weiß niemand.

Die eigentlich größte Frechheit an den Sparmaßnahmen finde ich, dass die Regelungen rückwirkend auch für die Studenten eingeführt werden sollen, die unter den „alten“ Bedingungen angefangen haben zu studieren. Auf die 3000 Euro für Langzeitstudierende waren viele Studenten nicht eingestellt, die sich evtl. später für einen Studienwechsel entschieden haben oder ein Jahr ausgesetzt haben, um sich in Vereinigungen zu engagieren oder Auslandspraktika zu machen.

Ich selbst konnte zu meinem großen Bedauern leider nicht an der Demonstration teilnehmen, da ich heute eine wichtige Prüfung hatte.

Dass die Sache nicht nur den Studenten am Herzen liegt, beweist aber auch die Aktion meiner Hochschule, die heute für einen gratis Bustransport nach Den Haag und wieder zurück sorgte.

Nachtrag: Joyce machte mich darauf aufmerskam, dass meine Angaben zu der gratis Bus- bzw. Zugkarte nicht stimmen. Für diesen Fall können die Studenten scheinbar ein “Nulldarlehen” anfragen, bei dem sie effektiv kein Geld leihen aber trotzdem die Bus- bzw. Zugfahrkarte gestellt bekommen. Danke für den Hinweis!

Quellen: http://www.nos.nl , http://www.nu.nl/politiek/2426390/bezuinigingen-in-hoger-onderwijs-rij.html

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Von smarten Zielen und absurden Planungen

Hat hier schon einmal jemand etwas von SMART-Formulierungen gehört? Nein? Ihr verpasst nicht viel, wenn ihr euch nicht intensiv mit diesem Zeug beschäftigt.

Ich muss mich leider damit beschäftigen. Denn ich muss einen Praktikumsplan schreiben, in dem ich meine eigenen Lernziele „SMART“ formulieren muss. SMART steht für „spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminierbar“. Ein Beispiel für eine SMART-Formulierung zum Thema „Duschen“ wäre z.B.

Spezifisch Ich ziehe mich aus, stelle mich in die Dusche, mache das Wasser an und mache meinen Körper nass. Ich benutze Shampoo und spüle dieses wieder ab. Ich trockne mich ab und ziehe mir frische Kleidung an.
Messbar Das Ziel ist messbar, da ich nach dem Duschen nicht mehr streng rieche.
Akzeptiert In westlichen Kulturen ist es vollkommen akzeptiert, Körperpflege zu betreiben.
Realistisch Da ich über ein Badezimmer verfüge, ist dieses Ziel absolut realistisch.
Terminierbar Ich möchte dieses Ziel innerhalb der nächsten 2 Stunden erreichen.

Das gleiche muss ich nun mit meinen eigenen Lernzielen machen. Auf Kompetenzen bezogen. Im Eifer des modernen Bildungsgefechts entschloss sich meine Hochschule vor ein paar Jahren dazu, Studienpunkte nach dem Erreichen von Kompetenzen zu vergeben. Eine Kompetenz, das wird definiert als die Verbindung von Wissen, Haltung und Benehmen, die benötigt wird, um eine bestimme Situation im Beruf meistern zu können. Auf Stärken und Schwächen des kompetenzorientierten Systems könnte man stundenlang eingehen. Das mach ich hier aber nicht. Ich habe mich heute auf die SMART-Formulierungen speziell eingeschossen.

Ich soll jetzt also zu jeder Kompetenz so ein SMART-Ziel formulieren. Ich hatte letzte Woche schon mal ein paar geschrieben. Diese waren aber allgemein auf mein Praktikum bezogen – nicht jedoch auf bestimmte Kompetenzen. Also alles wieder von Anfang an tippen. Inzwischen habe ich aufgeben und werde mich heute nicht mehr damit beschäftigen.

Natürlich gehe ich ins Praktikum, um etwas zu lernen. Dass ich mir dafür eine Planung mache, bis wann ich was mache, ist logisch. Ich würde mir so etwas in Form eines Kalenders aufschreiben. Dass man einzelne Aufträge auf Kompetenzen beziehen muss und auch kann, ist zumindest für mich eigentlich deutlich. Auch das kann man leicht in Tabellenform darstellen.

Es reicht aber nicht, sich seiner Planung bewusst zu sein. Man muss es auch formulieren können. Man muss das alles ja vor den Dozenten und vor allem vor sich selbst rechtfertigen. Anders könnte man danach ja nicht über genau ein Lernziel reflektieren. Oder über die Reflexion einer Reflexion über ein Lernziel reflektieren. Was würde man da nur alles verpassen!

Natürlich wird das alles positiv dargestellt und meine Dozenten trifft, was das angeht, meiner Meinung nach kaum Schuld. Das ist ein Beschluss „von oben“. Wie eh und je muss das Fußvolk eben dementsprechend handeln.

Positiv ausgedrückt: Man will nur mein Bestes. Ich investiere Zeit, um mir meinen eigenen Zielen und Plänen bewusst zu werden, damit man mich von allen Seiten optimal in meinem Lernprozess begleiten kann.

Negativ ausgedrückt: Ich verschwende meine Zeit, um Sachen, die einem der gesunde Menschenverstand sagt, zu Papier zu bringen. Das mach ich, weil man mir eine vernünftige Planung ohne diese SMART-Formulierungen nicht zutraut.

Eine Begleitung wäre ohne weiteres ohne smarte Formulierungen möglich, nämlich dann, wenn man in einem Gespräch darauf eingeht, an welchen Punkten man an sich arbeiten will und inwieweit das machbar ist.

Manchmal frage ich mich, warum man einfache Dinge so kompliziert macht. Und warum man mir meine Zeit damit stehlen will.

Wenigstens heute lass ich mir die Zeit aber nicht stehlen. Ich mach jetzt einfach gar nichts mehr. Und starte morgen einen neuen Anlauf. Wir haben nämlich Wochenende.

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Mein dummer Schülerauftrag

Es ist Sonntag und ich sitze an ein paar Aufträgen für mein Studium, um in der Weihnachtszeit ein bisschen Ruhe zu haben. Eine Aufgabe ist es, einen Auftrag und eine dazugehörige Stunde zum Thema „Schreibfertigkeit“ zu entwerfen. Wenn man „Schreibfertigkeit“ hört, denkt man automatisch „Ja, das ist doch einfach nur Texte schreiben?“. Meine Antwort darauf wäre ein klares: Jein.

In den Kernzielen für die Unterstufe ist genau festgelegt, was die Schüler am Ende der Unterstufe in den Niederlanden können müssen. Ein Kernziel lautet unter anderem frei übersetzt: „Die Schüler können einen einfachen, persönlichen Brief, Fax oder E-Mail schreiben und versenden um a) eine Begegnung, Besuch oder anderen Kontakt zu arrangieren oder abzusagen. […]. (siehe Quellenangabe unten)“.  Eigentlich eine sinnvolle Sache. Ich mache mich also daran, mir einen Auftrag auszudenken, um diesen später in einer Unterrichtsplanung einbauen zu können.

Nach ein wenig nachdenken, bringe ich folgenden Auftrag (hier gekürzt und auf Deutsch übersetzt) zu Papier: „Du hast in den Ferien einen Jungen oder ein Mädchen aus Deutschland kennengelernt und dich mit ihm oder ihr angefreundet. Du hast per E-Mail erfahren, dass er oder sie dich gerne besuchen möchte. Schreibe eine Antwort auf diese E-Mail und frage, wie es ihm oder ihr geht und wann genau er oder sie dich besuchen will. Schreibe diese E-Mail und lass dir von einem Mitschüler Feedback geben. Verbessere die Punkte, die in dem Feedback angegeben sind. Gib danach deinen Brief inklusive Feedback deinem Lehrer, der ihn nachschauen wird.“.

So weit, so gut. Oder nicht?

Ich lese mir den Auftrag noch ein paar Mal durch. Zweifelsohne bezieht er sich auf das oben genannte Kernziel. Zweifelsohne fühlt sich jeder Schüler angesprochen, da jeder sowohl produktiv als auch rezeptiv (durch das Lesen der E-Mail und Geben von Feedback) beschäftigt ist. Zweifelsohne liegt es nahe, dass man im Urlaub mal jemanden aus Deutschland kennenlernt.

Ich lese ihn nochmal und nochmal und nochmal. Und plötzlich kommt mir nur ein Satz in den Kopf: „Dieser Auftrag ist total dumm.“.

Ich stelle mir vor, wie ich als 14 jähriger in der Schule saß und wie ich damals mit so einem Auftrag umgegangen wäre. Meine erste Reaktion wäre genau so gewesen, wie der Satz, der seitdem in meinem Kopf herumschwirrt: „Dieser Auftrag ist total dumm.“.

Hätte mich der Lehrer gefragt, warum ich den Auftrag dumm fände, hätte der Lehrer noch mehr Autorität bei mir eingebüßt. Denn die Dummheit dieses Auftrags ist für mich so offensichtlich, dass man es eigentlich gar nicht näher beschreiben muss. Ich mache es trotzdem:

1. Ich habe keine echte E-Mail von einem Ausländer bekommen. Die E-Mail ist von meinem Lehrer konstruiert, um den Auftrag wenigstens einigermaßen realistisch zu gestalten.

und

2. Ich würde niemals auf Deutsch antworten. Denn ich hatte als Niederländer Englisch seit der Grundschule und kann folgerichtig viel besser Englisch als Deutsch. Ich bin mitten in der Pubertät und möchte mich auf keinen Fall lächerlich machen. Also schreibe ich lieber in der Sprache, die ich besser beherrsche.

Nun gut. Ich habe also einen dummen Auftrag entworfen. Er ließe sich jedoch anhand der Kernziele und auch anhand von modernen pädagogischen Ansätzen perfekt begründen. Dadurch, dass die Schüler sich gegenseitig Feedback geben und ich nur das letzte Resultat zu Gesicht bekomme, lernen die Schüler voneinander. Ich habe also die Rolle des Lernbegleiters eines selbstständigen Lernprozesses. Das ist in jeder Hinsicht vertretbar. Oder?

Ich erinnere mich an einen Eintrag im Spiegel-Online Forum, den ich auf die Schnelle leider nicht mehr finden konnte. Dort ging es auch darum, dass der Lehrer viel mehr Begleiter als klassischer Lehrer sein sollte. Ein User schrieb dort in etwa: „Habe in den 70er Jahren mehrere Male probiert, Lernbegleiter zu sein. Die Schüler wollten sich aber nicht lernbegleiten lassen.“.

Ich lese meinen Arbeitsauftrag noch einmal. Im Vergleich zu eben kommt er mir noch dümmer vor.

Nun habe ich ein Dilemma. Ich habe einen Auftrag, den ich schön begründen könnte. Den ich aber selbst nicht ausführen wollte. Die Angst wäre zu groß, dass ein Schüler zu mir sagen würde „Herr M. Dieser Auftrag ist total dumm!“ und mir ein „Ja, das finde ich auch.“ herausrutschen würde. Mein Gewissen würde mir sogar befehlen, den Schüler für diesen Kommentar zu loben. Denn eine kritische Haltung ist heutzutage wichtiger dennje. Ein Widerspruch ist mir tausend Mal lieber als ein stummes, opportunistisches Abnicken von Aufträgen, die man eigentlich total dämlich findet. In den Kernzielen steht aber nicht “Der Schüler erkennt es, wenn Arbeitsaufträge konstruiert wirken und widerspricht dem Lehrer. Er bildet sich seine eigene Meinung und äußert diese. Er nimmt daraufhin eine kritische Haltung ein.”. Die Stunde würde eine ziemlich andere Wendung nehmen und vollkommen vom Thema “Schreibfertigkeit” abweichen. Das ist zwar realistisch aber nicht meine Aufgabe für diesen Moment.

Mir fällt aber auch kein besserer Auftrag ein. Was soll ich jetzt machen?

Meinen ausgearbeiteten Auftrag möchte ich in spätestens 14 Tagen abgeben. Er wird benotet.

Ich hoffe, dass mir bis dahin ein Auftrag einfällt, den ich weniger dumm finde oder dass ich den Auftrag so abändern kann, dass ich ihn nicht mehr so dumm finde.

Falls mir jemand seine Meinung zu dem Auftrag schreiben möchte, ist er herzlich dazu eingeladen. Vielleicht bin ich ja der einzige, der meinen Aufrag dumm findet.

Quelle für das Kernziel:

Staatsen, F. (2009). Moderne vreemde talen in de onderbouw. Bussum: Uitgeverij Coutinho.

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Einmal nach Holland, bitte! Ohne Bahn.

Eben beschwerte sich ein Mädchen im Chat lauthals über die Deutsche Bahn. Da werd ich natürlich immer hellhörig. Was hat die Bahn dieses Mal denn wieder angerichtet?

Es ging darum, dass ab 2. November die neuen Fahrpläne ins Internet gestellt werden und somit die Jagd auf die Sparpreise losgehen kann. Besagtes Mädchen wollte ein Europa-Spezial Ticket nach England. Blieb brav bis 00:00 Uhr wach, um dann festzustellen, dass die Server der Bahn überlastet sind. Eine Stunde später waren die Spartickets für London wohl schon vergriffen.

Ich wurde nachdenklich. Sparpreis für Europa? Neuer Fahrplan? Deutsche Bahn? War da nicht was? NEEEEEEEIN!

Genau wie das Mädel wollte ich zeitig eine Fahrkarte von Berlin nach Nijmegen kaufen. Und genau wie das Mädel stelle ich um 01:00 Uhr nachts, am 2. November fest, dass das Kontingent der Sparpreise für die Niederlande an diesem Tag schon erschöpft ist.

Tolle Aussichten. Der Normalpreis mit meiner Bahncard 50 wäre ca. 60€. Wer hat günstigere Alternativen zu bieten?

RyanAir fällt übrigens flach. Die sind teurer als die Bahn und fliegen nur bis Düsseldorf-Weeze.

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Gewonnen?

Heute Nacht (Freitag auf Samstag) hat die Website WikiLeaks, wie bereits angekündigt, fast 400.000 Einträge von US Soldaten zum Irak-Krieg online veröffentlicht.

Ich habe kurz hineingelesen und danach, wie bei den Afghanistan Warlogs, festgestellt, dass mein militärisches Wissen zu gering ist, um zu verstehen, was da überhaupt steht.

Wikileaks hat die Logs laut eigenen Angaben analysiert und spricht von 66.081 Zivilisten, die zwischen 1.1.2004 und 31.12.2009 (unter Ausschluss von Mai 2004 und März 2009) getötet wurden. Im Gegensatz dazu stehen 23.984 als “Feinde” benannte Personen. Die Kriegsberichte wurden, so Wikileaks, von US-Soldaten verfasst. Heruntergerechnet sind das, geht man nach der Analyse von Wikileaks, über 60% Zivilisten, die während des Irak-Kries zu Tode kamen.

Meines Wissens erklärten die USA nie offiziell den “Sieg” des Irak-Kriegs. Eine Niederlage gestand sich aber auch niemand ein.

Mir fehlt, wie gesagt, die Fachkenntnis, um die Richtigkeit der Angaben von WikiLeaks überprüfen zu können.

Sollte das alles jedoch richtig analysiert sein und sollten die Berichte tatsächlich von US-Soldaten im Irak-Krieg verfasst worden sein, kann ich nur sagen:

Ein Krieg, bei dem mehr als die Hälfte der Opfer Zivilisten waren, ist eine Niederlage für alle Beteiligten. Terroristen hin oder her.

Ein paar Vergleiche

66.081 Menschen sind 22.596 mehr Menschen als die Einwohner von ganz Bad Kreuznach.

Bei einem Durchschnittsgewicht von 65kg wiegen 66.081 Leichen knapp 4295 Tonnen.

66.081 tote Zivilisten sind, geht man von 5 Jahren aus, knapp 13.216 tote Zivilisten jährlich…

…und 36 tote Zivilisten täglich.

Angenommen jedes 100. Opfer war ein Kind, so sind etwas über 660 Kinder in 5 Jahren im Irak-Krieg durch Waffengewalt gestorben…

…und das entspricht von der Menge etwa allen Schülern der 7. – 13. Klasse des Gymnasiums an der Stadtmauer mit insgesamt 900 Schülern.

4.477 Menschen starben 2007, laut Wikipedia, in Deutschland durch einen Autounfall. Das sind 61.604 Menschen weniger als die Zivilisten, die im Irak durch Waffen ums Leben kamen.

Wir leben übrigens im Jahr 2010 und haben zwei Weltkriege hinter uns.

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Warum Typ 1 genau mein Typ ist

Der Tag heute fing schon nicht so toll an. Ich musste früher als sonst aufstehen, konnte dafür dann früher nach Hause. Das Gegenteil ist mir immer lieber.

Dass ich mir Geld leihen musste, um einen Kaffee zu kaufen, weil sich vor dem Geldautomat (mal wieder) eine lange Schlange befand, trug nicht sehr zur Besserung meiner Laune bei.

Da der Tag also sowieso schon nicht mein Tag war, hielt ich den Nachmittag für die ideale Gelegenheit, endlich meine Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Nein, ich bin nicht spontan in die USA oder nach Russland ausgewandert. Und eigentlich kann ich mich hier in Holland so lange aufhalten wie ich will, dank der Europäischen Union. Tatsache ist jedoch, dass Holland für manche Anträge, die man bei Behörden stellen kann, eine zusätzliche Aufenthaltsgenehmigung fordert. Meistens ist das bei den Anträgen so, die mit finanziellen Vorteilen einhergehen.

Nach einer halben Stunde Suchen auf den entsprechenden Internetseiten, fand ich heraus, dass ich eine Aufenthaltsgenehmigung vom Typ 1 brauche. Typ 1, weil ich sowieso für nichts anderes in Frage komme, da ich noch nicht 5 Jahre ununterbrochen in Holland gewohnt habe – wo da jetzt der Zusammenhang zur 1 besteht, weiß ich nicht. Ich habe mir aber eingeredet, dass sich die holländischen Behörden am deutschen Schulnotensystem orientiert haben. 1 heißt bestimmt „sehr gut“. „Sehr gut“, weil ich den Staat bisher noch nicht so viel Geld gekostet habe, schließlich wohne ich noch nicht so lange hier.

Nach einer weiteren halben Stunde suchen fand ich schließlich die Servicehotline der entsprechenden Behörde. Eine freundliche Computerstimme, wies mich als erstes darauf hin, dass mich dieses Gespräch 10 cent pro Minute kosten wird. Als zweites machte sie mit einer genauso freundlichen Stimme deutlich, dass alle Mitarbeiter beschäftigt seien und die durchschnittliche Wartezeit ca. 10 Minuten betrage. Dann kam nur noch ein Klingelzeichen. Ich atmete erleichtert auf, denn Klingelzeichen sind immer gut. Das heißt für mich nämlich, dass die Leitung nicht besetzt ist und ich somit gleich mit einem engagierten Mitarbeiter sprechen kann. Nach einer Minute Klingelzeichen wurde ich dann doch misstrauisch. Kurz darauf hörte ich ein Knacken im Hintergrund und eine Stimme, die um einen Moment Geduld bat. Das Klingelzeichen begann wieder. Nach einer Minute kam erneut die Bitte um einen Moment Geduld. Der Tonfall war derselbe, das Knacken im Hintergrund jedoch ein anderes. Das Ganze wiederholte sich 6 bis 7 Mal. Ich stellte mir vor, wie jetzt irgendwo in Amsterdam oder Den Haag eine Frau im schicken Hosenanzug an der Rezeption sitzt, „tütütüt“ sagt und dann ein „einen Moment Geduld“ nachsetzt. Ich musste anfangen zu lachen und hoffte, dass niemand am anderen Ende der Leitung mithört. Nach 9 Minuten Wartezeit meldete sich dann tatsächlich eine Frauenstimme mit Namen.

Stolz legte ich los: „Guten Tag. Mein Name ist xyz. Ich brauche eine Aufenthaltsgenehmigung vom Typen 1. Ich wohne noch nicht 5 Jahre in Holland, möchte aber einen Antrag beim Bildungsministerium stellen, weshalb ich, auch als EU Bürger, diese Aufenthaltsgenehmigung brauche.“ Den Satz hatte ich mir natürlich vorgeschrieben, um ihn flüssig und schnell präsentieren zu können. Es folgte ein langes „Ähhh……“. Ich war so stolz. Rufen bestimmt nicht viele Ausländer an, die so flüssig und so schnell zusammenfassen, was sie wollen. Nach einer kurzen Pause fragte die Frau „Also sie haben eine Aufenthaltsgenehmigung?“. Enttäuscht sagte ich:“Nein. Ich brauche eine. Deshalb ruf ich ja an.“. Die Frau hatte also nichts von dem verstanden, was ich mir so schön zurecht formuliert habe. Die Frau antwortete knapp:“Naja. Als EU Bürger bekommen sie dann einen Sticker in ihren Ausweis.“. Auf der Website der Behörde waren coole Aufenthaltsgenehmigungen abgebildet, in Kreditkartenform, mit Glitzerlogo und seriöser Schrift und allem. Hörbar enttäuscht antwortete ich:“Naja, wenn das ausreicht, ist es ja gut….“.

Die Frau begann meine Daten abzufragen. Nein, genauer gesagt nur 2 Daten. Meinen Nachnamen und mein Geburtsdatum. Den Rest las sie vom Computer ab. Inklusive Adresse.

„Nun gut. Wir können dafür einen Termin einplanen. Wir haben 8 Büros in den Niederlanden. Wo passt es Ihnen denn am besten?“, sagte die Frau mit höflicher Distanz. Naja, wo soll es mir wohl am besten passen. Vielleicht in der Nähe von Nijmegen. Dass ich dort wohne, wusste sie ja von dem Computer. Das sagte ich ihr auch. Natürlich ohne den Zusatz mit dem Computer und dass sie das ja schon weiß.

„Ja, also in Richtung Süden hätten wir Eindhoven.“. Ich dachte nach. Süden? Eindhoven? Seit wann liegt Nijmegen im Süden der Niederlande?

Ungläubig wiederholte ich: „Eindhoven?!“. Begeistert antwortete die Mitarbeiterin: „Ja, das liegt in Limburg.“. Ab diesem Zeitpunkt kam ich mir dann endgültig verarscht vor. Ich reagierte damit, dass ich wohl weiß, wo Eindhoven liegt aber, dass ich etwas überrascht bin, da auf der Internetseite auch etwas von Den Bosch stand, was zwar in Noord-Brabant liegt, aber doch viel näher als Eindhoven wäre. Die Frau dachte kurz nach. Antwortete schließlich: „Ja. Den Bosch ginge auch.“.

Ich solle meinen Ausweis mitnehmen und einen Beweis, dass ich hier unabhängig leben kann. Ich fragte, ob damit eine Krankenversicherung und ein finanzielles Auskommen gemeint sei. Frau Geografie-Ass überlegte kurz und versicherte mir dann glaubhaft, dass das „genau solche Dinge“ seien. Aha. Genau solche Dinge also.

Schließlich bekam ich einen Termin für Ende Oktober. Und auch eine tolle Terminnummer. Ich schrieb fleißig mit. Die Frau verabschiedete sich höflich mit den Worten „Und das bekommen sie alles in den nächsten Tagen auch noch zugeschickt. Schönen Tag und Tschüß!“.

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Sparen am falschen Ende

Während deutsche Studenten (glücklicherweise) noch auf die Straße gehen, um gegen Studiengebühren allgemein zu demonstrieren, ist die holländische Regierung schon einen Schritt weiter.

Dass man für ein Studium Geld bezahlt, ist hier so normal wie die Miete für eine Wohnung. Trotzdem bietet der Staat natürlich (vor allem für Landsleute) Unterstützung, wenn man das Studium nicht bezahlen kann.

Die Studiengebühren erscheinen vielen Deutschen jetzt schon happig: 1670 Euro war es für dieses Jahr, also etwas über 800 Euro pro Semester. Zu Gute halten muss man dem System, dass die Lerngruppen entsprechend klein sind und die Ausstattung im Vergleich zu Deutschland wirklich erheblich mehr Qualität bietet. Das Geld fließt dahin, wo es soll.

Laut eines neuen Regierungsbeschlusses gilt jedoch ab 2012 eine weitere Regel.

Wer einen Bachelor im erziehungswissenschaftlichen Bereich hat, hat eine Ausbildung abgeschlossen und der Staat stoppt die Studienplatzsubventionierung. Ein Student kostet mehr als 1670 Euro pro Jahr, viel mehr. Die Hochschulen müssen dann also gezwungenermaßen die vollen Kosten vom Studenten verlangen. Das sind an meiner Hochschule mindestens 7000 Euro. Pro Jahr versteht sich. Andere Hochschulen werden kaum darunter liegen.

Anders ist es z.B. wenn man einen Bachelor außerhalb der Erziehungswissenschaften hat und gern Lehrer werden will. Hier ist ein Studium, das dazu befähigt, Lehrer zu werden, weiterhin subventioniert.

Warum das alles?

Hier gibt es einen großen Lehrermangel, der das Land auf kurz oder lang vor ein großes Problem stellen wird. Und das Land hat nichts davon, wenn jemand, der eine fertige Lehrerausbildung hat, noch weiter studiert und nicht in seinem Beruf arbeitet. Verbieten kann man den Leuten das Studium natürlich nicht – wohl aber die Subventionen streichen und es damit viel schwieriger machen.

Nun könnte man argumentieren: Wer bereits einen Abschluss hat und arbeitet, hat mehr Geld zur Verfügung (um z.B. in Teilzeit ein Studium zu absolvieren), kann also auch mehr bezahlen. Hierbei sollte man allerdings über die Größenordnung nachdenken. Welcher normale Arbeitnehmer (Akademiker eingeschlossen) kann es sich leisten, für 7000 Euro pro Jahr z.B. Urlaub zu machen? Ich kenne nicht viele.

Wie wahrscheinlich ist es dann, dass man das Geld für ein Studium aufbringen will/kann?

Das alles geschieht unter dem Aspekt, dass ein Studium auch eine Weiterbildung ist und man mit mehr Qualifikationen natürlich auch für das Land einen Vorteil bietet.

Zunehmend bekomme ich den Eindruck, dass das liberale, weltoffene und vor allem menschennahe Holland (womit es von vielen Leuten verbunden wird) dort endet, wo die Berechnung des Landeshaushalts anfängt.

Was sagt das Volk dazu?

Bisher hörte ich zwar von vielen holländischen (und ausländischen) Studenten, dass sie diese Regelung natürlich blöd fänden. Von Demonstrationen nimmt man aber nur vereinzelt in einer Randnotiz in der Zeitung wahr.

Kürzlich diskutierte ich erst mit einem holländischen Freund von mir darüber. Ich sagte:“Ich habe den Eindruck, jeder Protest, jede Demonstration, jede Diskussion endet hier genau dann, wenn es heißt ‚Wir gehen jetzt erst einmal einen Kaffee trinken, das ist gesellig!‘ “. Er musste sehr darüber lachen.

Ich kann nur hoffen, dass meine Aussage wirklich nur ein übertriebener Witz war.

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Unangenehme Kinderlieder

Ich habe lange überlegt, überhaupt etwas zu diesem Thema zu schreiben. Eigentlich dachte ich, dass es eine Sache ist, die die Niederländer unter sich ausmachen müssen. Wenn man frei hat, hat man aber auch viel Zeit, die man auf YouTube verbringen kann. So kam ich also mehr durch Zufall (mal wieder) auf Geert Wilders. Geert Wilders ist Vorsitzender der PVV, der Partij voor de vrijheid (Partei für die Freiheit). Die Partei setzt sich in erster Linie für weniger Einwanderer (vor allem die mit islamischem Glauben) ein und Geert Wilders selbst und Anhänger geben nach meinem Eindruck ihren Senf eigentlich immer dann irgendwo dazu, wenn sie ihr spießig-konservativ-christliches Weltbild auch nur im Ansatz gefährdet sehen.

Eigentlich will ich hier das ganze Thema gar nicht durchkauen. Nur ein paar Dinge fand ich dann doch so absurd bis bedenklich, dass sie mir nicht aus dem Kopf gingen.

Heute sah ich mir verschiedene Ausschnitte zu niederländischen Schulen und dem Bildungssystem auf YouTube an. In der Spalte „related Videos“ fand ich dann schließlich „PVV böse auf Kinderen voor Kinderen“. Kinderen voor Kinderen ist in den Niederlanden ein Kinderchor, der seit über 20 Jahren alle möglichen aktuellen oder für Kinder typische Themen in seinen Liedern verarbeitet. Finanziert wird er von der VARA, einer eher linksorientierten Fernsehgesellschaft. Die Lieder sind eigentlich immer philanthropisch und optimistisch. Ich war also gespannt, was die PVV denn gegen die fröhlichen Hüpfer haben kann, dass ein 5 Minuten Video dazu entsteht. Das Video ist ein Interview mit einem PVV-Politiker, der sich in den 5 Minuten immer wieder über ein Lied aufregt, in dem mehrmals „Allah akbar“ gesungen wird. Ich kenne das Lied nicht – ich denke aber, dass es in dem Lied um Integration geht. Er redet wirr davon, dass das schließlich der Kampfspruch der Jihad sei, die schon so viele Menschen umgebracht hat. Schon ziemlich dämlich, den Satz „allah akbar“ (=Alla ist der Größte) auf die Jihad zu reduzieren. Denn auch nichtradikale Muslime, die vollkommen integriert sind, sagen ihn häufig. Das Hauptproblem bei dem Lied schien für den Politiker darin zu bestehen, dass so unterschwellig der Jihad-Terror Einzug in die Wohnzimmer finden könnte. Mit einem Kinderlied. In dem es um Integration geht. Mehr braucht man dazu, glaube ich, nicht zu sagen.

Und wieder nehme ich danach einen Blick auf die „related Videos“. Ich finde einen Zusammenschnitt von Wilders angeblich „lustigsten“ Aussagen im niederländischen Parlament. Er sagt meist das Gleiche, zieht abstruse Vergleiche und Schlussfolgerungen. Hängen blieb jedoch ein Auszug aus einer Rede, in der Wilders erst ironisch davon redet, wie „toll“ er die Kopftücher und Burkas fände. Wieder ein Schnitt und Wilders redet von einem „schoonmaakprogramma“ (=Säuberungsprogramm) für die niederländischen Straßen. Dass er damit nicht die Waschmittellobbyisten in Holland zufrieden stellen will, ist eigentlich ziemlich deutlich.

Ich erinnere mich an ein Interview mit der F.A.Z. vom 20.03.2009. Wilders wird darauf angesprochen, dass man in seiner Partei kein Mitglied werden kann und ob er etwas gegen innerparteiliche Demokratie habe. Wilders antwortet unter anderem mit: „[…] Außerdem ist Parteidemokratie sowieso nur Scheindemokratie. Auf Parteitagen stimmen nur die Bonzen ab.“ (Quelle: siehe unten). Ich spare mir jegliche Vergleiche.

Mag sein, dass es die Niederlande manchmal mit ihrem Integrationsgedanken übertreiben. Mag sein, dass zu viel Steuergeld der Niederländer ins Ausland fließt. Mag sein, dass es viele kriminelle Ausländer in den Niederlanden gibt.

Aber auch wenn Geert Wilders mit seiner Rhetorik und seinem Auftreten irgendwelchen scheinbaren Idealbildern entspricht. Nach dem, was ich bis jetzt über ihn gelesen und gehört habe und von ihm gesehen habe, kann ich persönlich den Niederländern nur eins sagen: Der wird eure Probleme meiner Meinung nach nicht lösen.

Quellen:

http://www.youtube.com/watch?v=rozGRFnsOcw&feature=related (Geert Wilders: zijn beste & grappigste uitspraken, YouTube, Niederländisch)

http://www.youtube.com/watch?v=MDngrO5D_ts&feature=related (PVV boos op Kinderen voor Kinderen, YouTube, Niederländisch)

http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E496C12DB3D6C404B910185ACA79BEF49~ATpl~Ecommon~Scontent.html (Interview mit Geert Wilders in der F.A.Z. vom 20.03.2009)

alle abgerufen am 03.07.2010

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